Sirene

Aus der Tiefe steigt sie auf,
durchpflügt das Dunkel der Meere,
bis ihr Antlitz die Wasserdecke klirrend durchbricht.

Ein grelles Augenpaar durchstößt das Dämmerlicht,
Kastanienalleen winden sich um ihrem Kopf,
triefend liegen sie auf dem Schädel,
münden in krakenartigen Formationen.

Sehnsüchtig streicheln Porzellanfinger ihre Zwillinge in der Wasseroberfläche,
Wellen verschlucken sie und ihre Abbilder.
Das Herz zieht sie hinab,
einem Betonschuh gleich strebt es gen Meeresgrund.

Der Mahlstein in ihrem Zerebrum
trägt beständig Schicht um Schicht ab,
Zermürbt sie.
Der Saft quillt aus den zarten Venen,
Pechschwarz überschwemmt es die Hohlräume.

Sie treibt umher,
wie ein morsches Stück Holz,
einsam faulend.

Scharfes Grün saugt die Umgebung suchend in sich auf.
Jeden Tag am gleichen Ort,
genau hier,
wo das Gute sein Unwesen treibt.

Schleichende Geräusche prallen auf triefende Ohren.
Am Horizont,
Ein zartes Wesen,
ein vermeintlicher Anker,
gewillt sich in ihrer Umarmung zu verlieren.

Er bleibt stehen,
Er starrt,
Er setzt sich in Bewegung,
umfasst ihre ausgestreckte Hand.
Tänzelnd, umeinander kreisend,
In inniger Umarmung treiben sie ab.

Arme und Beine umschlingen sich,
Herzen und Haare verheddern sich.
Er lächelt,
Ihres bricht.

Die Gewissheit zerschlägt ihre Schädeldecke,
saure Tränen verätzen ihren Mut,
fühlte sich dieser doch besonders gut an, nach Reinheit und Leben riechend.

Doch sie kann nicht entkommen,
in ihrem Inneren schwillt ein Pochen an,
bis es hämmert.
Das Monster ihrer Existenz bittet um
Auslass.

Schatten quellen wie Pech aus ihren Öffnungen,
Kleckern auf sein von Hoffnung verzerrtes Gesicht,
Schmerz zerhämmert seinen Willen,
während ihrer mit jedem seiner Schreie wächst.

Zähne graben sich in weiches Fleisch,
ein erleichtertes Seufzen dringt aus ihrer Kehle,
weicht seinem erstickten Husten,
perlmuttfarbener Ambrosia befeuchtet ihre Kehle.

Genüsslich leckt sie sich seine Seele von den Lippen.

-M.T.L.

 

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2 Gedanken zu “Sirene

    • Ich danke dir,
      das freut mich sehr zu hören,
      an diesem saß ich auch besonders lang.

      Irgendwie habe ich es gefühlt und dachte zeitweise, solche Menschen gibt es auch.
      Menschen welche eigentlich nur Lieben wollen,
      Sicherheit suchen,
      aber den anderen zerstören,
      sobald er sich nahe genug herangetraut hat

      Gefällt 1 Person

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